Biografie

Dr. Anton Bernhardi (1813-1889)

Er war Arzt, zugleich aber auch Erfinder und Unternehmer, Politiker und Genossenschaftspionier: Im Kampf gegen die sozialen Missstände während der Industrialisierung entwickelte Anton Bernhardi Produktionsmöglichkeiten zur Herstellung preiswerter Kalksandstein-Ziegel. Zudem war er Mitbegründer des Eilenburger Darlehnskassen-Vereins – dessen Mitglieder noch vor Hermann Schulze-Delitzsch auf die Prinzipien der solidarischen Haftung und der Selbsthilfe setzten.

Dr. Anton Bernhardi, Eilenburg – Porträt-Bild Dr. Anton Bernhardi
(um 1850)
(Bild: PA mb/lit)

Anton Bernhardi wurde am 13. September 1813 in Süptitz bei Torgau geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Torgau studierte der Sohn eines protestantischen Pfarrers Medizin und Naturwissenschaften in Halle und Berlin. 1837 schloss er sein Studium mit der Promotion ab und ließ sich als praktischer Arzt und Chirurg in Eilenburg nieder.

Krankenunterstützungsverein und Darlehnskasse

Die Stadt entwickelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum der preußischen Textilindustrie. Zahlreiche Industrielle aus dem nahen Sachsen ließen sich hier nieder, um so zollfreien Zugang zum preußischen Markt zu bekommen. Mit dem Aufschwung zu einer modernen Industriestadt zeigten sich auch in Eilenburg die negativen Folgen der Industrialisierung: Vor allem die starke Lohnarbeiterschaft litt unter schlechten Arbeitsbedingungen, geringen Löhnen und einer mangelhaften Wohnsituation. Die Handwerkerschaft wiederum geriet durch neue Maschinen und die Entwicklung der Massenproduktion unter enormen Konkurrenzdruck.

Angesichts dieser Entwicklung begann sich Bernhardi intensiv mit der Not der Arbeiter und kleinen Handwerker zu beschäftigen. 1847 veröffentlichte er dazu die sozial-ökonomische Schrift „Der Handarbeiterstand und sein Nothstand“; ein Jahr später die Broschüre „Über die sozialen Nachtheile des gewerblichen Maschinenwesens“. Am 21. November 1849 errichtete Bernhardi zusammen mit den Schneidermeistern Roscher und Ernst Bürmann den Eilenburger Krankenunterstützungsverein. Zudem trieb er nach dem Vorbild aus Delitzsch 1849/50 die Bildung einer Schuhmacher- und einer Schneider-Assoziation in Eilenburg voran. Im September 1950 begründete er schließlich, wiederum zusammen mit Ernst Bürmann, den Eilenburger Darlehnskassen-Verein. Bis 1863 engagierte sich Bernhardi als Direktor der Darlehnskasse.

Erfinder des künstlichen Kalksandsteins

Daneben suchte Bernhardi – der sich durch seine zahlreichen Hausbesuche nur zu gut mit den Wohnverhältnissen der ärmeren Bevölkerungsschichten auskannte und darin einen Hauptgrund für den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung sah – nach Möglichkeiten für den preiswerten Wohnungsbau. Eine Lösung fand er in der Verpressung von Mörtel zu Kalksandstein-Ziegeln. Dank seiner verschiedenen Schriften hierzu (wie z.B. „Die Kalkziegelfabrikation und der Kalkziegelbau“) wurde seine Idee schnell bekannt – und stieß vor allem in der Landwirtschaft auf reges Interesse. 1854 oder 1857 [in den Quellen finden sich beide Angaben] gründete Bernhardi in Eilenburg schließlich eine eigene „Maschinenbau-Anstalt“ zur Produktion von Kalksandstein-Pressen.

Politisches Engagement

Seit dem Revolutionsjahr 1848 war Bernhardi darüber hinaus auch politisch aktiv: Er engagierte sich für die Demokratische Partei in Eilenburg und wurde noch im gleichen Jahr neben Hermann Schulze-Delitzsch als stellvertretender Abgeordneter in die Preußische Nationalversammlung gewählt. In der Reaktionszeit war er – wie Schulze-Delitzsch auch – politisch verfemt und wurde wegen öffentlicher „Aufreizung“ und „Beamtenbeleidigung“ zu mehreren kurzen Haftstrafen verurteilt. Ab den 1860er Jahren war Bernhardi Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Am 24. Mai 1889 ist Dr. Anton Bernhardi – der im Übrigen auch noch Mitbegründer und Schriftleiter der „Zeitschrift für wissenschaftliche Therapie“ war – in Eilenburg gestorben.

Mehr zu Anton Bernhardi in externen Quellen:

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