Porträt

Pfarrer Gustav Baist (1824-1914)

Pfarrer und Gründer mehrerer Raiffeisenkassen in Mittelfranken/Bayern

Friedrich Wilhelm Gustav Baist wurde am 6. Januar 1824 im hessischen Grünberg bei Laubach geboren. Sein Vater Johann Caspar Baist war eigentlich Landrat, pachtete aber nach der Auflösung seines Landratsbezirkes ab 1832 ein „landwirtschaftliches Anwesen“ in Altenbach. Die neue Umgebung und die damit verbundenen Erlebnisse und Sorgen einer solchen Existenz prägten den jungen Baist und trugen vermutlich ihren Teil zu seinem späteren Engagement für den Bauernstand bei. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Baist von 1842 bis 1846 Evangelische Theologie an der Universität in Gießen. 1850 trat er seine erste Pfarrstelle in Ulfa bei Nidda an, von der er 1875 vom Großherzogtum Hessen offenbar aufgrund seiner lutherischen Glaubenshaltung und seines Einsatzes für die Freikirchen enthoben wurde.

1877 beschloss Baist mit seiner Frau Adelheid (geb. von Baumer, 1821-1898) und ihren mittlerweile acht Kindern die Auswanderung nach Bayern. Hier war er erst Pfarrer in Döckingen, ab 1883 dann im benachbarten Westheim. Konfrontiert mit der Not der dortigen Bauern setzte er – dem Beispiel seines Vorbildes Johann Friedrich Oberlin folgend – unter anderem auf die Bienenzucht sowie die Anpflanzung von Weiden, um so die Korbflechterei als neuen Wirtschaftszweig zu etablieren. Zudem griff er die Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf, die in seiner hessischen Heimat bereits gute Früchte getragen hatten: 1881 gründete Baist nach Raiffeisen’schem Vorbild die ersten mittelfränkischen Darlehnskassen in Polsingen und Ursheim. Einige weitere kamen in den Folgejahren hinzu, darunter 1884 auch in Westheim. Andere Pfarrer der Region folgten seinem Beispiel und setzen sich ebenfalls für die Gründung dörflicher Darlehnskassen ein.

Zur besseren Organisation der Vereine initiierte Baist schließlich noch einen eigenen Regionalverband, den Mittelfränkischen Kreisverband der Darlehnskassenvereine. Ähnlich wie Raiffeisen fasste Baist zudem auch seine Erfahrungen mit den Raiffeisenkassen in einem kurzen Ratgeber mit dem Titel „Rettet den deutschen Bauer: ein Wort aus Selbsterfahrung über Raiffeisens Darlehnskassenvereine“ zusammen.

Am 2. Februar 1914 starb Gustav Baist mit neunzig Jahren in Westheim.